Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt in Deutschland keine staatlich geregelte Ausbildung für Permanent Make-up. Umso wichtiger sind Hygiene, Pigmentnachweise und geheilte Ergebnisse.
- Studios, die die Haut verletzen, können nach § 36 Absatz 2 IfSG vom Gesundheitsamt überwacht werden und brauchen einen Hygieneplan.
- Pigmente müssen seit dem 4. Januar 2022 die REACH-Beschränkungen erfüllen. Ein gutes Studio zeigt das Sicherheitsdatenblatt.
- Warnsignale: Preise unter 200 Euro, nur frische Fotos, keine Vermessung, kein Nacharbeitstermin, Laserentfernung im Angebot.
Ein gutes Studio erkennt man an vier Dingen, die sich vor dem Termin prüfen lassen: einem Hygieneplan mit Einwegmaterial, Pigmenten mit Sicherheitsdatenblatt, geheilten Ergebnissen im Portfolio und einer Beratung mit Vermessung und Farbprobe. Weil es in Deutschland keine staatlich geregelte Ausbildung für Permanent Make-up gibt, sind diese vier Punkte verlässlicher als jedes Zertifikat an der Wand.
Die Prüfliste: 12 Fragen und ihre Antworten
| Frage | Gute Antwort | Warnsignal |
|---|---|---|
| 1. Wie viele Behandlungen haben Sie gemacht? | Eine Zahl oder Jahre, gern mit Schwerpunkt | Ausweichen, nur Zertifikate zeigen |
| 2. Darf ich geheilte Ergebnisse sehen? | Fotos nach 4 bis 8 Wochen, gleiche Kundin frisch und geheilt | Nur frische, glänzende Fotos |
| 3. Welche Pigmente verwenden Sie? | Hersteller genannt, Sicherheitsdatenblatt auf Nachfrage | „Die besten" ohne Namen |
| 4. Wie sieht Ihre Hygiene aus? | Einwegnadeln, Handschuhe, Abdeckfolien, Flächendesinfektion, Hygieneplan | Nadeln nicht vor Ihren Augen geöffnet |
| 5. Wie läuft die Beratung? | Anamnesebogen, Vermessung, Vorzeichnung, Farbprobe, Freigabe durch Sie | Form wird ohne Vermessung versprochen |
| 6. Ist die Nacharbeit enthalten? | Ja, innerhalb von 4 bis 8 Wochen, oder klarer Preis von 90 bis 160 Euro | Nacharbeit wird nicht erwähnt |
| 7. Was kostet die Behandlung? | Preisliste öffentlich, Spanne 290 bis 890 Euro je nach Region | Unter 200 Euro, nur telefonisch |
| 8. Wann behandeln Sie nicht? | Schwangerschaft, Stillzeit, Blutverdünner, akute Hauterkrankungen, Isotretinoin | „Wir behandeln jeden" |
| 9. Bekomme ich eine schriftliche Aufklärung? | Ja, mit Risiken, Pflege und Einwilligung zur Unterschrift | Nichts Schriftliches |
| 10. Bieten Sie Entfernung mit Laser an? | Nein, das ist Ärztinnen und Ärzten vorbehalten | Ja, im Studio |
| 11. Wie schminke ich in den ersten 14 Tagen? | Gar nicht auf der Stelle, Pflegeplan wird mitgegeben | „Das geht schon" |
| 12. Was passiert bei Problemen? | Kontakt für Rückfragen, bei Infektionszeichen Verweis an Ärztin oder Arzt | Keine Erreichbarkeit nach dem Termin |
Hygiene: das Gesetz und der Alltag
Permanent Make-up verletzt die Haut, deshalb gilt es rechtlich als Tätigkeit, bei der Krankheitserreger durch Blut übertragen werden können. Nach § 36 Absatz 2 des Infektionsschutzgesetzes können solche Betriebe vom Gesundheitsamt infektionshygienisch überwacht werden, und die Hygieneverordnungen der Länder verlangen einen Hygieneplan. Im Alltag heißt das: Die Nadel kommt aus einer versiegelten Packung, die vor Ihren Augen geöffnet wird. Griffstücke, Liege und Lampe sind mit Einwegfolie abgedeckt. Die Pigmentiererin trägt Handschuhe, die sie nach jedem Griff an Telefon oder Schublade wechselt. Flächen werden vor und nach jeder Kundin desinfiziert. Ein Studio, das diese Dinge nicht zeigt, muss nicht unsauber sein. Aber Sie können es nicht wissen.
Pigmente: was seit 2022 gilt
Seit dem 4. Januar 2022 beschränkt die REACH-Verordnung in der EU mehr als 4.000 Stoffe in Tätowiermitteln und Permanent Make-up, seit dem 4. Januar 2023 zusätzlich die Pigmente Blau 15:3 und Grün 7. Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet Tätowiermittel laufend, und die deutsche Tätowiermittel-Verordnung regelt Kennzeichnung und Verkehrsfähigkeit. Für Sie heißt das: Jedes Pigment, das ein seriöses Studio verwendet, hat ein Sicherheitsdatenblatt mit Chargennummer, Inhaltsstoffen und Herstellerangabe. Lassen Sie es sich zeigen. Wer mit Ware ohne Datenblatt arbeitet, kann nicht sagen, was er Ihnen unter die Haut bringt, und im Fall einer allergischen Reaktion fehlt jede Grundlage für die Behandlung.
Ausbildung: was Zertifikate wert sind
Permanent Make-up ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf. Grundschulungen dauern 2 bis 10 Tage und werden von Herstellern, Akademien und einzelnen Studios angeboten, mit sehr unterschiedlicher Tiefe. Ein Zertifikat belegt also, dass jemand eine Schulung besucht hat, nicht wie gut die Ergebnisse sind. Aussagekräftiger sind die Zahl der Behandlungen, die Spezialisierung auf einen Bereich und regelmäßige Fortbildungen in den letzten 2 Jahren. Wer zusätzlich Laser anbietet, braucht die Fachkunde nach § 4 der NiSV, und die Entfernung von Permanent Make-up mit Laser ist nach § 5 Absatz 2 ohnehin approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Ein Kosmetikstudio, das Laserentfernung anbietet, verstößt damit gegen die Verordnung.
Portfolio: geheilt zählt, frisch täuscht
Direkt nach dem Termin sieht fast jede Arbeit gut aus: Die Farbe ist kräftig, die Kanten sind scharf, die Haut leicht geschwollen und glatt. Was die Qualität zeigt, ist das Bild nach 4 bis 8 Wochen, wenn die Haut 15 bis 30 Prozent des Pigments abgegeben hat und die neue Oberhaut klar ist. Fragen Sie nach Paaren: dieselbe Kundin frisch und geheilt. Achten Sie auf gleichmäßige Farbe ohne graue oder rötliche Flecken, saubere Ränder ohne Ausbluten und Symmetrie im ganzen Gesicht statt allein im Ausschnitt. Auch Fotos im Tageslicht statt unter Ringlicht sagen mehr, denn Ringlicht glättet alles.
Beratung: der Termin vor dem Termin
Ein gutes Studio nimmt sich 30 bis 45 Minuten Zeit, bevor die erste Nadel die Haut berührt: Gesundheitsfragen, Wunschbild, Vermessung nach Gesichtsproportionen, Vorzeichnung, zwei bis drei Farbproben auf der Haut, Freigabe durch Sie. Es rät auch ab, etwa vom Flügel am Lidstrich, wenn die Lidform ihn nicht trägt, oder vom Microblading bei fettiger Haut. Wer Ihnen jeden Wunsch bestätigt, berät nicht, sondern verkauft. Der ganze Ablauf bis zur Nacharbeit steht im Beitrag zum Ablauf einer Behandlung.
Preis: die Spanne und die Grenze nach unten
Zwischen 290 und 890 Euro für Brauen ist alles marktüblich, je nach Region und Erfahrung. Unter 200 Euro beginnt der Bereich, in dem an Material, Beratung oder Pigmentherkunft gespart wird. Ein hoher Preis ist kein Qualitätsbeweis, ein sehr niedriger ist ein Risikohinweis. Die Einordnung aller Preise steht im Investment-Überblick.
Quellen
- § 36 Infektionsschutzgesetz, infektionshygienische Überwachung durch das Gesundheitsamt
- Verordnung (EU) 2020/2081 zur Beschränkung von Stoffen in Tätowiermitteln und Permanent Make-up (EUR-Lex)
- Tätowiermittel-Verordnung (TätoV)
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Tätowiermittel
- § 5 NiSV, Fachkunde und Arztvorbehalt für Laseranwendungen
Häufige Fragen
Gibt es eine staatliche Ausbildung für Permanent Make-up?
Nein. Permanent Make-up ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf. Schulungen dauern 2 bis 10 Tage und werden von Herstellern und Akademien angeboten. Aussagekräftiger als Zertifikate sind Behandlungszahl, Spezialisierung und geheilte Ergebnisse.
Wird ein Permanent Make-up Studio kontrolliert?
Ja, das Gesundheitsamt kann Betriebe, die die Haut verletzen, nach § 36 Absatz 2 des Infektionsschutzgesetzes infektionshygienisch überwachen. Die Studios brauchen einen Hygieneplan.
Woran erkenne ich sichere Pigmente?
Am Sicherheitsdatenblatt mit Hersteller, Chargennummer und Inhaltsstoffen. Seit dem 4. Januar 2022 müssen Pigmente in der EU die REACH-Beschränkungen für Tätowiermittel erfüllen.
Darf ein Kosmetikstudio Permanent Make-up mit Laser entfernen?
Nein. Nach § 5 Absatz 2 der NiSV ist die Entfernung von Tätowierungen und Permanent Make-up mit Laser approbierten Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Sind Bewertungen im Internet verlässlich?
Nur eingeschränkt. Frische Ergebnisse werden fast immer gut bewertet, Probleme zeigen sich erst nach Wochen. Lesen Sie Bewertungen, die 2 bis 3 Monate nach der Behandlung geschrieben wurden, und achten Sie auf Fotos im Tageslicht.



